Sie sind hier: Home  Bruchsal  Antoniushaus mit signalhaftem Charakter

Antoniushaus mit signalhaftem Charakter

Bruchsal, 21.06.2019  
Auszug aus dem Zeitungsartikel vom Juni 1979. Foto: jaz/Archiv

Vor 40 Jahren große Feier zur Grundsteinlegung / Heute: Abbruch beschlossen für Seniorenzentrum

Von KURIER-Redakteurin Sonja Zeh

Bruchsal. Es war ein Fest bei strahlendem Sonnenschein, damals an Pfingstmontag im Juni 1979. Ein Ereignis, das die katholischen Gläubigen im Süden Bruchsals zusammenbrachte. Übrigens -damals sprach noch keiner von der Südstadt, sondern von der „Waldsiedlung“ oder von dem Areal um die Antoniuskirche auch Joß-Fritz-Siedlung. Die Bruchsaler Katholiken dort hatten ihre eigene Kirche seit 1954, und weil der 1953 erbaute Pfarrsaal dem stark anwachsenden Pfarrleben nicht mehr Rechnung trug, war ein neues Pfarrhaus gebaut worden: das Antoniushaus, dessen feierliche Grundsteinlegung eben an diesem Pfingstmontag im Juni 1979 gefeiert wurde.

Pfarrer Bernhard Ripperger, der heute längst im Ruhestand ist, Ende März seinen 90. Geburtstag feiern konnte, hatte damals in einem Festgottesdienst die Weihe vollzogen. Nach dem Kreuz auf dem Grundstein hatte er zur Pfarrgemeinde gesprochen und sie aufgerufen, sich als lebendige Steine zu bewähren und verglich die Kirchengemeinde, die aktive Mitglieder benötigt, mit einem Verein. Ripperger: „Taufscheinchristen, die nur zur Beerdigung oder Hochzeit kommen, nützen uns nichts!“ Tote Steine könne man nicht brauchen, die keinen Druck aushalten, zerbröckeln und verfallen, sagte er. Chorale Klänge des Musikvereins Büchenau begleiteten den festlichen Zug, als der Grundstein zum Rohbau gebracht und dort ins Mauerwerk eingelassen wurde. Die Urkunde, die mit anderen wichtigen Dokumenten der Kupferschatulle eingefügt wurde, enthielt alle wesentlichen Daten über die Pfarrei St. Anton, die 1952 von Stadtpfarrer Anton Menzer gegründet wurde, 13 Jahre eine Filiale von Sankt Paul war und am 1. Juni 1966 selbstständig wurde und zu einer der größten Kirchengemeinden Bruchsals anwuchs. Der erste eigene Pfarrer von Sankt Anton war Pfarrer Hansjörg Faller, der zehn Jahre lang die Seelsorge betrieb. Dann kam Pfarrer Bernhard Ripperger, der noch heute das Pfarrhaus neben der Antoniuskirche bewohnt. Er dürfte die Entscheidung der heutigen Seelsorgeeinheit St. Vinzenz mit Wehmut verfolgt haben, das Pfarrzentrum St. Anton, also das Antoniushaus, nun aufzugeben. Bekanntlich muss die Seelsorgeeinheit aus Sparzwängen einige kirchliche Gebäude aufgeben, darunter fällt eben das Antoniushaus. Die Räumung dessen von Gemeindemitgliedern hat schon angefangen. Denn das Gebäude soll abgerissen werden für den Neubau eines Seniorenzentrums. Dieses Projekt will der Caritasverband in Angriff nehmen. Die Tage des nunmehr 40 Jahre alten Pfarrzentrums, das Heimstätte für unzählige Festivitäten, kirchliche und weltliche Feste wie Vereinsfeiern des Südstadtvereins SV 62 war, sind also gezählt. Bei der damaligen Grundsteinlegung hatte Pfarrer Ripperger auch folgendes gesagt, was auch für das kommende Seniorenzentrum sinnhaft gelten mag: „Es möge jeden, der das Pfarrzentrum betritt, die Frage bewegen, ob er Streit und Zwietracht oder Frieden und Freude hineintragen wolle. Was nicht christlich ist, habe darin keinen Platz. Dieses Haus besitze vielmehr signalhaften Charakter und solle zur Verchristlichung der Gemeinde mitbeitragen.“

Sonntag Gemeindefest

Die St. Anton-Gemeinde feiert jetzt am Sonntag, 23. Juni, 10.30 Uhr das Patrozinium ihres Heiligen Antonius, der am 13. Juni 1231 in Padua starb. Nach dem Gottesdienst wird zum Gemeindefest rund um das Antoniushaus eingeladen. Der Erlös des Festes kommt der Gemeindearbeit sowie den Partnergemeinden in Peru zugute.
Mehr Artikel im ePaper Ausgabe Bruchsal lesen