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Aus Wohnzimmer wird Spielplatz

Bruchsal, 04.04.2019  
Der Kirchplatz soll zum Spielplatz umfunktioniert werden. Die Stadt reagiert damit auf Anwohnerproteste, weil der Platz von einer bestimmten Personengruppe ständig belagert wird. Foto; jaz

Nach Protesten: Kirchplatz wird umgestaltet

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Von KURIER-Redakteurin Sonja Zeh

Bruchsal. Der Kirchplatz neben der Stadtkirche Bruchsal wurde 2010 eingeweiht – als attraktiver Verweilplatz für jedermann. Dass er aber von einer bestimmten Personengruppe derart in Beschlag genommen wird, so dass Lärm und Vermüllung die Folge sind, war nicht Sinn der Sache.

Daher häuften sich in den vergangenen Jahren die Anwohnerproteste bei der Stadtverwaltung. Verstärkt eingesetzt, diesen Zustand am Kirchplatz zu ändern, hat sich der mit seiner Immobilienfirma dort ansässige Michael Grub. Macht ein Kinderspielplatz daraus, dann gibt es auch eine rechtliche Handhabe – so sein Vorschlag. Vorige Woche hat der Bruchsaler Gemeinderat entsprechend einen einstimmigen Beschluss gefasst.

„Die gute Stube“, so bezeichnete Charlotte Klingmüller von der Stadtplanung in ihren Ausführungen zur Beschussvorlage das Areal um Kirchplatz und Babette-Ihle-Platz wird neu konzipiert für die Zielgruppe Familie mit Kindern. Sitzmöbel werden abgebaut, Spielgeräte sollen installiert werden. Außerdem will man sich wieder darum bemühen, eine von Anfang an dort vorgesehene mobile Gastronomie zu finden. Benimmregeln sollen dann aufgestellt werden, das bedeutet geregelte Nutzungszeiten, ein Alkohol- und Rauchverbot.

Ordnungsrechtliche Maßnahmen sind hier dann zulässig. Gleichzeitig sprach sich der Gemeinderat in einem nachfolgenden Tagesordnungspunkt für eine geregelte Straßensozialarbeit aus. Die Räte beschlossen, eine grüne Lunge in Stadtbesitz (Ecke Prinz-Wilhelm-Straße/Bannweideweg) als alternativen Tagesaufenthalt für die Wohnungslosen auszuweisen. Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick stellte klar, dass dies kein einfaches Unterfangen sei. Sie habe sich für Bänke und Tische am Kirchplatz stark gemacht. Jetzt werde das wieder rückgängig gemacht. „Es ist heute für mich eine schwierige Situation“, erklärte sie und stellte fest, was im Zuschauerraum und im Kreis der Räte für Schmunzeln sorgte: „Meine Einladung ist angenommen worden.“ Petzold-Schick: „Wir können nicht vorschreiben, wer sich wo aufhält, sondern nur Anregungen für Alternativen schaffen.“ Abschließend betonte sie: „Das Leben ist bunt, und wir werden es auch bunt halten.“

„Die Wohnzimmerqualität dort ist verloren gegangen“, konstatierte Stadträtin Claudia Manke in ihrer Stellungnahme für die CDU-Fraktion. Sie kritisierte, dass die Verwaltung sich den Anwohnerprotesten erst nicht wirklich angenommen hätte und beschrieb die Belästigungen dort durch die Nutzer des Kirchplatzes. Die CDU stimmte der Neukonzeption der besagten Innenstadt-Plätze zu und sprach sich dafür aus, Alternativen zu schaffen, für die Menschen am Rande der Gesellschaft. „Die Schmerzgrenze ist hier erreicht“, sagte Hans-Jörg Betz für die SPD. Die Umgestaltung des Kirchplatzes als Spielplatz empfand er als „geniale Idee“: „Alle Achtung, der Plan ist gut“, lobte er die Stadtverwaltung. Die Einsätze wegen Drogenproblemen nehmen zu, weiß der Klinikarzt und FDP-Stadtrat Jürgen Wacker. In Ettlingen sei das Problem am größten. Daher sprach sich Wacker gegen eine Substitutionsambulanz in Bruchsal aus. Eisweiher, Schlossgarten, Viktoriapark, Kirchplatz – „Die Liste der Verdrängungsorte ist groß für die wenig erwünschten Personen in der Stadt“, zählte Grünen-Stadträtin Gaby Aumann auf und merkte an: „Die Gruppe ist bunt aber auch vielgestaltig.“ Mit der Umgestaltung als Spielplatz hofft sie, dass sich dann keiner über Kindergeschrei beschwert. Das Konzept der Straßensozialarbeit befürworteten die Räte ebenfalls einstimmig. Dafür wird eine Vollzeitstelle geschaffen. Personalkosten: 64 000 Euro. Der alternative Tagesaufenthalt am Bannweideweg wurde begrüßt als niederschwelliges Kontakt- und Unterstützungsangebot, wie es heißt. „Es ist ein notwendiger Versuch“, erläuterte Manfred Kern, Sachgebietsleiter vom Sozialen Dienst der Stadt. Sinn der Sache ist, diese Menschen in Beschäftigungsangebote zu vermitteln und neue Tagesstrukturangebote zu initiieren.

Im Sommer, so die OB, wolle man die Umgestaltung der Innenstadtplätze soweit auf den Weg bringen und den alternativen Tagesaufenthalt einrichten.
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