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Blau-weiße Party im Wildpark und auf Mallorca

Karlsruhe, 24.05.2019  
Die Karlsruher Aufstiegshelden feierten nach dem Halle-Heimspiel zusammen mit ihren Fans die Rückkehr in die Zweite Fußball-Bundesliga. Foto: GES/Prang

KSC feiert beim Halle-Heimspiel den Zweitliga-Aufstieg nochmals zusammen mit seinen Fans / Stoll liebäugelt mit „Abschiedsspiel“

Von KURIER-Redakteur Christof Bindschädel

Karlsruhe. Die Spannung und letztlich auch die Luft waren raus beim finalen Drittliga-Auftritt des Karlsruher SC, der bekanntlich am vorherigen 37. Spieltag durch einen 4:1-Erfolg bei Preußen Münster die Rückkehr in die Zweite Fußball-Bundesliga perfekt gemacht hatte. Der Stimmung auf der Baustelle Wildparkstadion tat dies am vergangenen Samstag, als zum Saisonkehraus das Heimspiel gegen den Halleschen FC anstand, jedoch keinen Abbruch. „Das war der passende Rahmen und ein überragender Abschluss. Die Stimmung war einfach sensationell, das genießen wir jetzt so richtig“, meinte David Pisot, der Kapitän des badischen Aufsteigers, nach dem 2:3 (1:1) gegen den Tabellenvierten aus Sachsen, der wie seine Gastgeber befreit aufspielen konnte und dies letztlich ein kleines bisschen konsequenter auf den Rasen brachte.

„Natürlich wollten wir dieses Heimspiel gewinnen, aber das Ergebnis ist letztlich zweitrangig“, betonte Pisot, bevor es für ihn, seine Mannschaftskollegen und das gesamte Trainerteam mit Chefcoach Alois Schwartz an der Spitze zur großen Party mit den Fans ging. Auf Platz 6 hinter der Haupttribüne wurden die Karlsruher Zweitliga-Aufstiegshelden von ihren Anhängern mit einem blau-weißen Fahnenmeer empfangen und lautstark gefeiert. Auf der Bühne heizte Stadionsprecher Martin Wacker die Masse immer wieder an, zudem dröhnte Mallorca-Partymusik aus den Lautsprechern, die wiederum die KSC-Profis auf ihren Kurztrip auf der Deutschen liebste Ferieninsel einstimmte. Denn am vergangenen Sonntag flogen die Aufsteiger auf die Baleareninsel im Mittelmeer, um dort ihren Erfolg gebührend zu feiern. „Das werden drei witzige Tage – und wir bringen wieder alle Mann mit zurück“, meinte KSC-Schlussmann Benjamin Uphoff augenzwinkernd.

Trainer Schwartz, dem die obligatorische Bierdusche von seinen Spielern natürlich nicht erspart blieb, gehörte nicht zur Karlsruher Party-Gesellschaft auf „Malle“, schließlich gebe es da sicherlich Dinge, die man nicht unbedingt sehen will. Auch wegen der siebten Saisonniederlage grämte sich der Aufstiegstrainer nicht allzu lange. „Das war ein schönes Sommerspiel und eine tolle Party für die Fans“, meinte der Übungsleiter, der „viele kleine Fehler“ bei seiner Mannschaft gesehen hatte. „Es war schon schwierig, noch einmal die allerletzten Prozentpunkte rauszuholen, das hat man gesehen“, ergänzte Uphoff.

Bereits vor dem Anpfiff von Schiedsrichterin Katrin Rafalski geriet das Halle-Heimspiel aus sportlicher Sicht zur Nebensache. Mit Blumen verabschiedete KSC-Präsident Ingo Wellenreuther zum einen Torwarttrainer Kai Rabe, der den Wildpark nach acht Jahren verlässt, und zum anderen Routinier Martin Stoll, der seine Profikarriere beendet und künftig als U-16-Trainer am Adenauerring tätig sein wird. In der 76. Spielminute wurde Stoll – zunächst lautstark gefordert und dann frenetisch von den KSC-Fans unter den offiziell 15 232 Zuschauern bejubelt – für Daniel Gordon eingewechselt. „Der Zuspruch der Fans tut gut, das war ein unheimlich schöner Moment, obwohl natürlich schon ein Stückchen Wehmut dabei ist. Aber es geht fast nicht besser, als mit so einem Aufstieg aufzuhören“, erklärte der 36 Jahre alte Abwehrrecke, der mit einem weiteren „Abschiedsspiel“ liebäugelte.

„Noch einmal 90 oder 120 Minuten kriege ich schon auf die Kette“, meinte der gebürtige Heidelberger. Bei diesen Worten hatte Stoll natürlich das badische Pokalfinale an diesem Sonntag um 14 Uhr im Wildpark gegen den SV Waldhof Mannheim im Sinn, für das im Vorverkauf rund 8 000 Tickets verkauft waren. Auch wenn die Duelle zwischen dem KSC und dem Waldhof immer voller Brisanz sind und stets nur unter hohen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden, hoffen beide Vereine, dass alles friedlich abläuft. „Natürlich ist da eine Menge Prestige dabei, aber es haben doch beide ihre Ziele erreicht – das soll einfach ein schöner Abschluss werden“, appellierte Schwartz an beide Fan-Lager. Die Karlsruher sind als Zweitliga-Aufsteiger ebenso bereits für den DFB-Pokal qualifiziert wie die Mannheimer, die als souveräner Meister der Regionalliga Südwest zudem den seit Jahren herbeigesehnten Aufstieg in die Dritte Liga realisiert haben.

Während die KSC-Fans ihre Helden über die gesamten 90 Minuten genauso feierten wie die 2 000 mitgereisten HFC-Anhänger ihre Kicker und sich selbst, passierte auf dem Rasen nicht allzu viel. Den ersten ernst zu nehmenden Warnschuss gaben die Hausherren in Person von Marvin Pourié in der 20. Minute ab, doch der Torschützenkönig der Dritten Liga verfehlte aus der Drehung das HFC-Tor und somit seinen 23. Saisontreffer knapp. Mit ihrer ersten Chance gingen dann die Gäste in Führung, als Pascal Sohm (40.) nach feiner Vorarbeit von Niklas Landgraf einköpfte. Allerdings kamen die Badener noch vor der Halbzeitpause zum Ausgleich: nachdem Bentley Baxter Bahn im Hallenser Strafraum zu ungestüm gegen Burak Camoglu zu Werke ging, entschied Schiedsrichterin Rafalski zurecht auf Elfmeter, den wiederum Drittliga-Rekordtorschütze Anton Fink (45.+2) souverän verwandelte.

Auch der zweite Durchgang startete gemächlich, doch innerhalb von 60 Sekunden hatten plötzlich Fink und der erneut von Beginn an spielende Martin Röser die Karlsruher Führung auf dem Fuß, scheiterten jedoch beide (67., 68.) am glänzend reagierenden HFC-Keeper Kai Eisele. Dessen Vorderleute schossen in Person von Braydon Manu (71.) und Maximilian Pronichev (80.) die Hallenser dann mit ihren Treffern auf die Siegerstraße, ehe Marvin Wanitzek (88.) mit einem listig getretenen Freistoß den 2:3-Schlusspunkt setzte. Wenige Augenblicke pfiff Rafalski die Partie und damit die Drittliga-Saison ab und die Stadionregie spielte flugs den Gassenhauer „We Are The Champions“ von „Queen“ ein – das war sozusagen der offizielle Startschuss für die folgende Aufstiegssause in blau und weiß.
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