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Die Büchenauer Brücke – wo ist die bitte?

Bruchsal, 15.08.2019  
Das aktuelle Bild der Büchenauer Brücke Richtung Westen zeigt dieses: Im Bau die neue Feuerwache der Bruchsaler Wehr mit dem 23 Meter hohen Schlauchturm. Dahinter Kräne in der weiter wachsenden Bahnstadt. Foto: Safranek

KURIER-Serie über die Geschichte der Büchenauer Brücke in Bruchsal – „die erste Schrägseilbrücke der Welt“, Teil 1

Von KURIER-Redakteurin Sonja Zeh

Bruchsal. „In Bruchsal tut sich zur Zeit etwas! Nicht nur im Bahnhofsgebiet, wo bienenfleißig gearbeitet wird.“ Wenn Sie jetzt die Bahnstadt im Sinn haben, liegen Sie falsch! Wir drehen das Rad nämlich zurück und befinden uns im Frühjahr 1954, also vor 65 Jahren. Damals wurde im Bahnhofsgebiet „bienenfleißig“ – nach den oben zitierten Zeilen eines Zeitungsartikels – an der Fertigstellung der Elektrifizierung der Bahn gearbeitet. Aber das soll nicht das Thema der Artikelserie im KURIER sein, die heute startet: Wir beschäftigen uns mit der Geschichte der Büchenauer Brücke. Und wenn jetzt jemand fragt, wo sich diese denn befindet, den klären wir auf.

Nach den Erfahrungen der Autorin dieses Beitrags gibt es tatsächlich hiesige Zeitgenossen, die mit dem Begriff „Büchenauer Brücke“ zunächst nichts anfangen können, so in der aktuellen Bruchsaler Stadtverwaltung, bei der Polizei und bei der Feuerwehr.

Die Einheimischen mögen jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: „Ja, die Bichenauer Brick! Isch doch klar! Die fiehrt über die Bohgleis!“ Büchenau, ein heutiger Stadtteil Bruchsals, ist von der Brücke zwar weit entfernt, aber früher führte der Weg von der Stadt nach Büchenau eben über diese Brücke. Dahinter war nämlich so gut wie nichts! Kaum Häuser! Keine Südstadt (die Waldsiedlung war erst im Entstehen und hatte 1950 gerade mal 32 Häuser)! Ansonsten prägten Industriebetriebe das Gebiet hinter der Büchenauer Brücke.

Wer heute in die Stadt per Fahrzeug hineinfährt oder sie Richtung Bretten passieren will, muss diese Brücke schon zwangsläufig überqueren und wundert sich vielleicht über die markanten Schrägpfosten. Als Schülerin habe ich mich selbst auf die Brücke hochgekämpft, per Radl über die Rampe bei der Moltkestraße. Im zweiten Gang klappte das. Das war der tägliche Schulweg. Oben dann am kombinierten Rad- und Fußgängerweg gönnte man sich eine sekundenlange Verschnaufpause mit Blick auf die unten liegenden Bahngleise. Stadtbahnen fuhren da noch nicht. Die modernen Schnellzüge waren grad im Kommen. Wieder bei Puste ließ man das Rad dann weiterlaufen, über die Brücke, vorbei an den markanten Pfeilern, die bei Gegenverkehr als Hindernis wahrgenommen wurden. Auf der anderen Brückenseite ging es entspannend bergab. Nach Schulschluss dann das gleiche Spiel von der anderen Seite der Brücke: Hochkämpfen per Rad. Kleine Verschnaufpause. Der Blick nach unten. Längst stieg von dort aus zwar kein Dampf mehr nach oben wie früher, aber das Geschehen auf den Bahngleisen faszinierte noch immer.

Die Generation, die vor dem Krieg auf die Welt kam, kann da noch viel erzählen und gerät noch heute ins Schwärmen darüber wie es war, wenn man besonders im Winter die Büchenauer Brücke überquerte. „Mir Kinner sinn über die Brick gloofe zur Schul in die Kaserne. Und im Winter kam der Dampf von der Eiseboh rauf. Des war schee warm“, erzählt Robert Fies, ein (bald) 82-jähriger Bruchsaler. „Dann sin ma schnell riewwergrennt, dass ma dort den Dampf noch abkriege.“

Für Generationen war die Büchenauer Brücke ein Schulweg, auch heute noch. Sie wird sogar noch mehr frequentiert werden, nämlich dann, wenn der Weg auch zur neuen Sporthalle in der Bahnstadt führt, am Nadelöhr der Büchenauer Brücke.

Früher war die Büchenauer Brücke, als dort der Dampf aufstieg, noch eine andere. Aber sie hieß auch schon vor dem Zweiten Weltkrieg Büchenauer Brücke. „Des war eine sehr schöne Brücke“, weiß Robert Fies noch. „Sie war mit Stahl und Nieten gebaut worden, wie der Eiffelturm.“ (Siehe auch unten stehenden Artikel).

Aber Fies verbindet auch ein negatives Kindheitserlebnis mit der Brücke: „Als Kind bin ich dort in e Auto grennt.“ Eine Gehirnerschütterung hätte er erlitten, wodurch er Beeinträchtigungen beim Schreiben davongetragen hatte. Es war nicht der einzige Unfall dort, wie Recherchen zur Geschichte über die Büchenauer Brücke ergaben. Und auch so manches Tier musste dort schon sein Leben unter den darüberrauschenden Rädern lassen. Gerade noch im Juni hatte die Autorin dieses Beitrags auf der Auffahrt zur Brücke eine tierische Begegnung erlebt, die glücklicherweise gut endete: Eine Entenmama war mit ihren etwa acht Küken über die Fahrbahn gewatschelt, und dies bei rollendem Verkehr! Doch: Ente gut!

DER KURIER will mit einer Serie die Geschichte dieser Büchenauer Brücke, über die der Weg zwar noch immer nach Büchenau führt, aber heute erst über die Südstadt, genau unter die Lupe nehmen.

Die Recherchen gestalteten sich nicht einfach. Das Stadtarchiv hatte nichts zu bieten. Bei der Hauptregistratur des Rathauses tauchte nach zweimaligem Nachbohren doch eine dünne Akte über die Büchenauer Brücke auf. Die Auskunft der Stadt leuchtete aber zunächst ein: Zuständig für die B35/Büchenauer Brücke ist das Bauamt im Regierungspräsidium. Dort zeigte man sich sehr kooperativ mit der Weiterleitung von Daten. Im Kreisarchiv erwies sich ein Griff in eine Fotokartei als Glückstreffer. Dagegen konnte man sich den Weg zum Generallandesarchiv in Karlsruhe sparen. Enttäuschend dort die Ausbeute. Die Bruchsaler Historikern musste also schon nach Stuttgart fahren – ins dortige Hauptstaatsarchiv. Aber, so sind die Schwaben halt: Kopien kosten Geld von Plänen, auf die man zwei Wochen warten musste. Und: die Veröffentlichung dieser Pläne ist zudem gebührenpflichtig.

Das hält mich aber nicht ab, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die spannende Geschichte dieser „ersten Schrägseilbrücke der Welt“, so stolz darf ein Bruchsaler schon sein, näherzubringen.

Teil zwei folgt.
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