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Ein Rennleben für TOJ

Bruchsal, 13.09.2018  
Jörg Obermoser, Sohn des Erfinders Albert Obermoser, Anfang der Sechziger Jahre. Foto: pr

Jörg Obermoser, der Spross des großen Erfinders und Fabrikanten A.O.

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Von KURIER-Redakteurin Sonja Zeh

Bruchsal. Als Kind, Anfang der Siebziger Jahre, faszinierte mich die Villa Obermoser auf dem Areal des Motorenwerks Obermoser, in die ich öfters ein- und ausging, weil ich mit den beiden Töchtern von Jörg Obermoser (Enkelinnen von Albert Obermoser) befreundet war. Besonders ein Raum, im Erdgeschoss neben dem Wohnzimmer, hat sich mir besonders eingeprägt. Es war das Büro oder besser gesagt das Trophäenzimmer ihres Vaters Jörg. Unzählige Pokale glänzten mir da entgegen. Einige Male bekam ich ihn sogar zu Gesicht, den berühmten Rennfahrer Jörg Obermoser. Ich durfte auch mal nach Hockenheim mit. Und mindestens einen goldenen Warsteiner-Flitzer habe ich in einer Werkshalle in Bruchsal gesehen. Vielleicht habe ich da sogar Mechaniker Jens Andres am Motorschrauben erlebt? Oder auch Keke Rosberg gesehen, den späteren Formel-1-Rennfahrer? Der Finne, der damals zum Team Obermoser Jörg (TOJ) gehörte, wohnte tatsächlich in den frühen siebziger Jahren auf dem Obermoser-Areal in Bruchsal. Newcomer und spätere Renngrößen gaben sich bei TOJ die Klinke in die Hand. Jörg Obermoser, Sohn des Bruchsaler Motorenbauers Albert Obermoser, lebt heute in Pforzheim. Von dort aus schickte er mir einige Belege aus seinem ereignisreichen Motorsportleben zu. Als sein Vater Albert 1969 gestorben war, hatte er nicht wirklich Interesse gezeigt, das Motorenwerk in Bruchsal weiterzuführen. Seine Leidenschaft galt zwar auch Motoren, aber nur wenn diese im Rennsport zum Einsatz kamen. Das war ein spannendes Leben im damaligen Rennzirkus, das Jörg Obermoser sehr genoss. Es ehrt ihn, wenn der KURIER auf seine Karriere zurückblicken möchte.    Erste Sporen verdiente er sich als Go-Kart-Champ und entwickelte sich dann zum Allrounder. Er fuhr die schnellen Wagen nicht nur und heimste Erfolge ein, er besaß ein eigenes Rennteam und konstruierte auch seine eigenen Rennwagen. Zwischen 1972 und 1977 war Jörg Obermoser in der 2-Liter-Version eine feste Größe, erst im Escort BDA und dann im BMW 2002. Der heute 75-Jährige steht in der ewigen Bestenliste der Deutschen Rennsport-Meisterschaft (DRM) hinter den Fahrern Hans Heyer, Klaus Ludwig und Bob Wollek auf Platz vier. Noch heute schwärmt der Bruchsaler Fighter von den „gigantischen Rennen“ gegen Glemser, Heyer, Ludwig und Basche: „Da stimmte einfach alles.“ Sein bestes Jahr war 1974, als der damals 30-Jährige sich hinter Dieter Glemser in einer Regenschlacht in Hockenheim die Deutsche Vizemeisterschaft sicherte – mit einem BMW 2002. Für diesen Erfolg ehrte ihn auch die Stadt Bruchsal und ernannte ihn zum Sportler des Jahres.  Unverzichtbar für Jörg Obermoser waren seine Techniker Jens Andres und Herbert Zahn. Andres, der geborene Vöhrenbacher, hatte erst als junger Mechaniker bei Manfred Mohr – der Größe in der Rennsportszene – angefangen und war europaweit in der Formel 3 herumgereist. Nach Mohr habe er ein Jahr lang für den italienischen Rennstall den Service gemacht und wechselte dann nach England zum britischen Team Roy Winkelmann, erzählt dieser. Bei dem habe auch Jochen Rindt angefangen. In der Eifel hat Andres dann die Formel 2-Zeit erlebt. „Der Obermoser sucht Leute“, habe ihm sein ehemaliger Chef Mohr eines Tages einen Tipp gegeben. Jens Andres griff zu und landete 1972 in Bruchsal. Kennengelernt hatte er den Motorsportfanatiker Obermoser zuvor in Hockenheim. Dem Manfred Mohr sei beim Training der Motor kaputtgegangen, und der Obermoser vom anderen Rennstall habe mit einem neuen ausgeholfen. Den habe er dann vor dem Rennen im Wagen Mohrs eingebaut.     „Den ersten Sportwagen bauten wir bei GRD, Group Racing Developments, in England“, erzählt Andres. Chefdesigner war der Schweizer Jo Marquart. „Irgendwann hat dann der Jörg gesagt: ’Das können und machen wir viel besser.’“ Und so begann der Start des Rennwagenbaus im Obermoser-Werksgelände in Bruchsal mit viel Improvisation. Jörg Obermoser gründete sein eigenes Rennteam: Jörg Obermoser Racing (JOR). Der erste eigene entwickelte Rennwagen war der TOJ SS02 mit einem 2-Liter-Motor von BMW. Trainiert hat das Team vor der Haustüre in Hockenheim. Auch wenn das schwierig war. Mercedes habe damals seine Hand draufgehabt. Bei denen habe man immer betteln müssen, ob man eine Stunde trainieren darf, verrät der Mechaniker.    Immer schneller, immer besser. Tagelang wurde getüftelt und gefeilt – am Motor oder an der aerodynamischen Karosserie. Die Erfolge häuften sich. „Der Jörg, sagt Jens Andres, „war ein toller, erfolgreicher Rennfahrer. Superschnell auf der Rennstrecke unterwegs, und er hat im Vergleich zu anderen Fahrern wenig Unfälle gehabt.“ In früheren Rennzeitschriften wurde Obermoser auch als Perfektionist bezeichnet. Von Rennen zu Rennen reiste man quer durch Europa. Das Team fand Gefallen am Rennsport-Zirkus der Siebziger Jahre.

Die Abenteuer im damaligen Renngeschäft kann Jens Andres begeistert schildern, zum Beispiel wie er das Rennauto in Spanien durch den Zoll bringen und wie vieles unter Zeitdruck an Ort und Stelle organisiert werden musste. Als Mechaniker hatte er immer zu werkeln. „Mir sin jo nie fertig gwordde“, erinnert sich der gebürtige Schwarzwälder, der seit 1972 in Mingolsheim lebt. Bis zehn Uhr abends habe man geschafft, dann ging es freitags los zum Rennen. Anfangs mit dem Eurodrive-GRD-Bus, dann im goldenen Bus, als nämlich 1975 die Brauerei Warsteiner als Sponsor ins Team TOJ einstieg.  Schlag auf Schlag ging es zu in der Bruchsaler Werkstatt, wo 1975 im Frühjahr 15 Boliden für die Rennsportsaison produziert wurden. Stand ein Rennen an, sei er immer voraus gefahren, erzählt Mechaniker Jens Andres. „Dann kam der Keke Rosberg und hat gefragt, wo wir schlafen würden. Dann hab ich gsagt: ’Ich weiß noch net.’ Während die anderen schon beim Training waren, haben wir erst mal ein Hotel gesucht.“ Der Rennzirkus von damals ist mit dem heute vollends durchorganisierten nicht mehr vergleichbar. Einen Formel-1-Wagen kriege man ohne Computer ja gar nicht zum Laufen. In den Lkw sehe es außerdem klinisch steril aus, so Jens Andres. „Das ist auch übertrieben heute. Es ist nicht mehr familiär, wie das früher war, wo man sich untereinander ausgeholfen hat.“ Das Ende als Mechaniker bei Obermoser kam 1977 für ihn und das Team völlig überraschend.  Die Firma Winfried Matter in Hambrücken hat die Obermoser-Rennwagen-Produktion mit dem technischen Personal übernommen. Durch diese Fusion wollte sich Obermoser ganz auf den Renneinsatz konzentrieren. Mit im Team als Fahrer waren Rolf Stommelen, Peter Scharmann und Mario Ketterer. Mechaniker Jens Andres ging dann weg.    Jörg Obermoser zog sich 1980 aus dem Rennsportleben zurück, als die Turbozeit aufkam. Er lebt heute mit seiner dritten Frau und Hund glücklich in Pforzheim. Noch bis vor wenigen Jahren baute und verkaufte er originalgetreu nachgebaute und lackierte Modelle seiner Rennwagen. Viele dieser TOJ-Wagen sind ein äußerst begehrtes Sammlerobjekt und kommen auch weltwelt erfolgreich bei historischen Rennen zum Einsatz.
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