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Frauenpower statt nur ein Schmuckstück

Bruchsal, 21.11.2019  
Laurent (Tim Tegtmeier) lobpreist gesanglich Gurken („Les Cornichons“) vor Joelle (links Vivien Prahl), Nadège (hinten Cornelia Heilmann) und Suzanne (Evelyn Nagel). Foto: Peter Empl

Landesbühne macht Laune mit französischer Emanzipationskomödie

Von KURIER-Redakteurin Sonja Zeh

Bruchsal. Oh lalalalala – diese Boulevardkomödie aus den Siebzigern, welche sich auf der Theaterbühne in „Fronkreisch“ abspielt, hat von ihrer Aktualität nichts verloren. Und dies nicht nur in „Fronkreisch“ (nach dem gleichnamigen Bläck Fööss-Hit). Im Gegenteil: Noch immer kämpfen Frauen, besonders im Arbeitsleben dafür, gleichwertig mit den Männern auf eine Stufe gestellt zu werden. Sie agieren anders, aber dennoch nicht weniger erfolgreich oder sogar besser.

Zumindest beweist dies Suzanne (großartig Evelyn Nagel als Grand Dame). Weil ihr Pascha-Mann und Chef einer Regenschirm-Fabrik erkrankt ist, nimmt sie kurzerhand das Zepter in die Hand und zeigt mit ihrem Führungsstil, dass sie mehr ist als nur „Das Schmuckstück“ ihres Mannes. Sie beruhigt die streikenden Arbeiter der Fabrik und führt Neues ein. Und sie verschafft sich am Ende Respekt. Doch die Fabrik muss sie am Ende wieder abgeben. Also doch nur verpuffte Frauenpower? Nein. Denn Suzanne geht in die Politik.

Ihren Ehemann Robert Pujol verkörpert der BLB-Schauspieler René Laier. In der Pascha-Rolle gibt er sich herablassend und ironisch: „Kauf Dir was Schönes, ich geb Dir das Geld wieder“. Oder: „Was Du hast eine Meinung? Ich möchte, nur, dass Du meine teilst.“ In der neuesten Inszenierung der Badischen Landesbühne, die jetzt in Bruchsal Premiere hatte (leider nicht vor vollem Hause), schlüpfen die sechs Akteure auf der Bühne in farbenfrohe Kleidung im Stile der Siebziger und brillieren durch Dialogwitz und mit Überraschungen.  Die Komödie kommt aber erst langsam in Fahrt, wird im zweiten Teil dann temporeicher. Neben Evelyn Nagel, René Laier spielen Stefan Holm (als Bürgermeister, Abgeordneter und früherer Liebhaber Suzannes) und Vivien Prahl als Pujol-Tochter Joelle („Ich will kein Schmuckstück werden“) sowie Cornelia Heilmann als Nadège (wandlungsfähig, mausert sich von der biederen zur emanzipatorisch adretten Sekretärin).

Nicht zu vergessen Tim Tegtmeier, der mit lächerlicher Prinz-Eisenherz-Perücke, die schon wieder komisch wirkt, den Taugenichts-Sohn Laurent überspitzt spielt. Dieser hat aber auch seine Qualitäten, wie sich später herausstellt. Vor allem gesanglich schlägt Laurent ein.

Überhaupt spielt die Musik bei dem Stück, dass 2010 mit Catherine Deneuve und Gérard Depardieu verfilmt wurde hier eine große Rolle. Das Live-Trio zurückhaltend im Bühnen-Hintergrund lässt auch die Requisiten wie Telefon oder Rettungswagen witzig erklingen.

Jeder Akteur besticht auch gesanglich durch französische Chansons, sei es bei „Aux Champs-Elysées“ „Ne me quitte pas“, „Comment te dire adieu“ oder der Crazy-Song „Les Cornichons“. Allein diese Interpretationen, die wegen der Sprache schon nicht leicht über die Lippen kommen, verdienen Anerkennung.

Weitere Vorstellungen

Die Komödie „Das Schmuckstück“ zeigt die Badische Landesbühne in Bruchsal noch an folgenden Terminen: am 15. Dezember rum 17 Uhr, am 20., 21. und an Silvester, am 31. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr im Großen Haus im Bürgerzentrum.

Kartenvorverkauf: Badische Landesbühne, Telefonnummer (072 51) 7 27 23; E-Mail: ticket@dieblb.de.
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