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Frühe individuelle Förderung

Karlsruhe, 06.09.2019  
Cordula Kietzer fördert die motorischen und sprachlichen Fähigkeiten eines Jungen der Kita „Kleiner Prinz“, in dem sie mit ihm aus Joghurtbechern Türme baut. Foto: pr

Heilpädagogin unterstützt sechs Kinder der AWO-Kita „Kleiner Prinz“

Karlsruhe (pm). „Was Deine Tochter spricht noch nicht?“ oder „Wieso kann Dein Sohn keinen Blickkontakt halten und spielt immer nur mit einem Spielzeug?“ Es gibt immer Menschen, die solche und ähnliche gut gemeinte Fragen stellen. Passende Ratschläge lassen meistens auch nicht lange auf sich warten. Doch Eltern sollten sich durch diese Fragerei nicht verunsichern lassen.

Denn alle Kinder haben ihr eigenes Entwicklungstempo. Innerhalb gewisser Grenzen sind Unterschiede daher völlig normal. „Wenn aber ein ähnliches Feedback von den pädagogischen Fachkräften aus der Kindertagesstätte kommt, wäre es gut, dem etwas mehr Beachtung zu schenken“, erklärt Ursula Schleier, die Leiterin der AWO-Kita „Kleiner Prinz“. Denn eine abwartende Haltung kann vorhandene Defizite verschlimmern und eine individuelle Förderung hilfreich sein. Daher findet in solchen Fällen zunächst ein Gespräch zwischen der Kita-Leitung und den Erziehungsberechtigten statt.

„Meistens sagen die Eltern auch, dass ihnen selbst schon aufgefallen ist, dass die Kinder sich im Vergleich zu Gleichaltrigen anders entwickelt haben“, sagt Schleier. Wenn die Eltern einverstanden sind, wendet sie sich daher im nächsten Schritt an eine Frühförderstelle, den heilpädagogischen Fachdienst oder das Sozialpädiatrische Zentrum, die nach ausführlicher Prüfung ein Gutachten erstellen. Sollte sich ergeben, dass ein Förderbedarf vorliegt, erhält das Kind, sofern es schon drei Jahre alt ist, Unterstützung in Form von individueller Hilfe durch eine Heilpädagogin. Den Eltern entstehen dadurch keine Kosten.

Die Kita „Kleiner Prinz“ arbeitet in solchen Fällen mit der Heilpädagogin Cordula Kietzer zusammen, die das Team der Kita seit acht Jahren als externe Kraft unterstützt und Kinder mit Entwicklungsverzögerungen individuell fördert. Die Unterstützung findet je nach Bedarf auf unterschiedlichen Ebenen statt. „Manchen Kindern benötigen im motorischen Bereich Anregungen, andere entwickeln ihre sozialen Kompetenzen weiter, auch die Erweiterung der Frustrationstoleranz ist häufig Thema“, sagt Kietzer. In der 45-minütigen Einheit in der sie sich den jeweiligen Kindern widmet, werden genau diese Bereiche auf spielerische Art und Weise bearbeitet.

„Ich habe für jedes Kind einen Koffer dabei in dem ich verschiedene Spielmaterialien mitbringe“, erzählt die Heilpädagogin. Dafür nimmt sie die Kleinen aber nicht aus der Gruppe heraus, sondern bindet immer auch andere Mädchen und Jungen mit ein. In einem Kommunikationsheft wird der Verlauf der Aktivitäten dokumentiert. Zwei Mal pro Jahr findet ein Gespräch zwischen der Heilpädagogin, den Eltern und der pädagogischen Fachkraft statt, in dem die Entwicklung des Kindes reflektiert wird und weitere Schritte geplant werden.

Auch wenn das Kind dann irgendwann die Schule besucht, hält die Heilpädagogin oftmals noch Kontakt zu den Eltern und weiß, dank vieler positiver Rückmeldungen, dass „es sich lohnt, wenn man die Kinder möglichst früh unterstützt und fördert, da die positiven Effekte sich deutlich auf die weitere Entwicklung auswirken“.
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