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In der Südstadt tut sich viel

Bruchsal, 28.11.2019  
Ein Stadtteil mit viel Grün: Das ist die Südstadt. Rechts soll nach den Wünschen der Stadtverwaltung ein Café erstellt werden.

Seniorenhaus, eine neue Mitte, Fernwärme, Container, Radverkehr

Von KURIER-Redakteurin Sonja Zeh

Bruchsal. Warum nicht eine Gaststätte statt eines Cafés mit Bäckerei? Die Idee eines Cafés, wie von der Stadtverwaltung Bruchsal in einer neu zu schaffenden Mitte in der Bruchsaler Südstadt anvisiert, nämlich beim Spielplatz an der Franz-Sigel-Straße, wird nicht kritiklos angenommen. Zumindest ließ sich das beobachten beim Südstadtforum vorige Woche. Zahlreiche Südstädtler hatte es dort an einem Abend in die Adenauer-Schule hingezogen, wohin die Stadtverwaltung eingeladen hatte.

Wie wichtig OB Cornelia Petzold-Schick den südlichen Part Bruchsals nimmt, zeigte sich schon daran, dass die gesamte Verwaltungsspitze versammelt war. Jeweils ein Experte stellte sein zu betreuendes Projekt vor. „Es sind eine Menge an Informationen, die wir ihnen nahebringen wollen“, hatte Hauptamtsleiter Wolfgang Müller eingangs gesagt und nicht zu viel versprochen. Zum Beispiel eben die Idee, in der Südstadt einen Quartiersplatz zu entwickeln mit der Vision eines Cafés ähnlich der Durlacher Straße stammt von Stadtplaner Hartmut Ayrle. Nicht schlecht, fanden auch zwei ältere Damen am Infostand dieser Projektvision, wo Ayrle später am Abend für direkte Fragen zur Verfügung stand. Als Minuspunkt empfanden die Südstadt-Damen aber die Nähe zu dem geplanten sozialen Wohnungsbau hinter einem Blockbau beim Eisweiher. Man befürchtet einen weiteren sozialen Brennpunkt. Aktuell laufen gerade die Arbeiten für die Aufstellung von Containern für die Unterbringung von zehn Obdachlosen. Die Kommune steht in der Pflicht, für die Unterbringung Wohnungsloser zu sorgen. Dies verdeutlichte Martin-Peter Oertel, der städtische Jurist. Im Jahre 2011 waren 24 Personen in der Stadt obdachlos, voriges Jahr waren es bereits 83. Zurzeit sind 88 Wohnungslose in städtischen Unterkünften, Wohnungen, Pensionen untergebracht. Doch das reicht nicht aus. Daher entschied der Gemeinderat voriges Jahr zehn Container auf dem Areal der ehemaligen Hollandhäuser am Eisweiher zu errichten. Im Januar sollen die Container bezogen werden. Standzeit: 24 Monate. Auch sonst wird sich einiges verändern in der Südstadt. Wegen der Fernwärmetrasse bis zur Adenauer-Schule – ausgehend vom GBZ – werden im dritten Quartal des nächsten Jahres Straßen aufgerissen. „Sehen Sie es uns bitte nach“, bat Stadtwerke-Chef Armin Baumgärtner um Verständnis. Bis 2021 solle die CO2 neutrale Wärmeversorgung stehen. Wenn die Straße schon mal aufgerissen wird, ruft das auch Berthold Hambsch mit dem Radwegkonzept auf den Plan – ähnlich wie der Ausbau in der Friedenstraße. Verbesserungen für den Radverkehr seien sogar mittelfristig möglich.    Aktuell wird seit Ende Juli die Konrad-Adenauer-Schule saniert. Die ersten Ergebnisse können sich sehen lassen. 5,7 Millionen Euro Kosten, darunter 1,7 Millionen Fördergelder, sind für die Arbeiten veranschlagt. 2021 sollen die Baumaßnahmen abgeschlossen sein, erläuterte Steffen Frahm vom Gebäudemanagement der Stadt.

Und nicht zu vergessen das Großprojekt in der Südstadt: der Bau des Seniorenzentrums anstelle des jetzt noch bestehenden Antoniushauses. Andreas Häuslpelz, Vorstand vom Caritasverband, stellte das Projekt vor: 60 stationäre Plätzen, aufgeteilt in vier Wohngruppen zu je 15 Bewohnern, eine Wohngruppe für psychisch kranke Menschen mit acht Plätzen, ein Begegnungscafé, die Tagesoase, ein Demenzgarten und Betreutes Wohnen (bis zu 20 Wohnungen). Baubeginn soll im dritten Quartal 2020 sein.

Vorher aber erfolgt der Abriss des Antoniushauses. Dass hinter diesem die große Wiese mit altem Baumbestand auch weichen muss, missfällt nicht nur Anwohnern. Die befürchten zudem durch die Höhe des Caritas-Baus (zehn Meter) weniger Sonnenstrahleinfall bei sich. Auch der Infostand des Caritas-Projekts war daher sehr gefragt.

Doch was die Südstädter am meisten bewegt, kam beim Infostand von Hauptamtsleiter Müller heraus: Neben schnellem Internet, besserer Busverbindung an die Innenstadt, der verheerenden Parkplatzsituation beim Ärztehaus, wurde vor allem ein Missstand ausgesprochen: die Ausfahrt am neuen Lidl. Wer in der Südstadt die Aussage „Lässt Du jemanden raus? hört, ist sofort im Bilde. Nein, da kennen die Autofahrer kein Pardon. Wer vom Lidl-Parkplatz seitlich rausfahren will, hat schlechte Karten und muss eben warten, bis der Autoverkehr an der Ampel weitergerollt ist. Hat da bei der Planung die Voraussicht gefehlt? Auf jeden Fall: Wolfgang Müller hat’s notiert und, das Ordnungsamt ist jetzt gefragt, Abhilfe zu schaffen.
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