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Rühriger Seelsorger und Baupfarrer in Bruchsal

Bruchsal, 10.10.2019  
Erste Fronleichnamsprozession in der Waldsiedlung am 20. Juni 1954 mit Noch-Pfarrverweser Menzer (damals 40). Foto: Krauth

Der unvergessene Stadtpfarrer Anton Menzer feierte vor 65 Jahren seine Investitur in Sankt Paul

Bei den älteren Gläubigen war er der Gottesmann, der „sich unser besonders annimmt.“ Die Jugend hatte den Pfarrer als fortschrittlich empfunden, und die Arbeitnehmer konnten sich sicher, sein: „Er kennt unsere Probleme.“ Und ein indischer Priester hatte einmal in das Gästebuch der Sankt Paul-Pfarrei geschrieben: „Ich habe selten solche Gastfreundschaft wie bei Pfarrer Menzer und seiner Pfarrei erlebt. Er weiß zu geben, und er gibt für die anderen.“ Anton Menzer weilt längst nicht mehr unter uns – aber hier sei an ihn erinnert. Denn er war 39 Jahre lang Pfarrer von St. Paul in Bruchsal – eine lange Wirkungszeit, in der ihm in der Stadt und darüber hinaus viel Wertschätzung entgegengebracht wurde.

Anton Menzer feierte am 3. Oktober vor 65 Jahren seine Investitur zu St. Paul. Bekannt war er durch seine Tatkraft als „Seelsorger und Baupfarrer“, wie einmal der Titel eines Zeitungsartikels anlässlich seines silbernen Priesterjubiläums hieß.

Geboren wurde er am 18. August 1913 in Friesenheim bei Lahr. Er studierte nach dem Abitur in Freiburg und Münster Theologie und wurde im Anschluss daran, 1940, zum Priester geweiht, im Münster zu Freiburg. Schon früh hatte er sich in der Katholischen Jugend engagiert, stand für eine entscheidende und mutige Haltung, die ihn mit den Nationalsozialisten in Konflikt brachte. Menzer befand sich drei Tage lang auf der Flucht vor der drohenden Verhaftung durch die Gestapo. Seine Militärzeit begann er 1942 als Sanitätssoldat. Er erlebte die Grauen des Krieges in Russland und geriet 1945 noch in Kriegsgefangenschaft. Zurück in der Heimat wirkte er zunächst als Kaplan in St. Blasien und Wiesloch.

Seit dem 17. Oktober 1951 war er Pfarrverweser in St. Paul in Bruchsal, als Pfarrer Weiskopf verstorben war. Da kein Pfarrhaus in der Durlacher Straße mehr vorhanden war (es lag seit dem Märzangriff ’45 in Trümmern), bezog Anton Menzer zunächst ein bescheidenes Domizil in der Kasernenstraße, bis 1953 das ehemalige Gasthaus „Zum Waldhorn“ (heute Ecke Karlsruher-/Prinz-Wilhelm-Straße) als Pfarrhaus und Kindergarten gekauft wurde. Weil noch arge Wohnungsnot herrschte, und die Wohnungen dort von Familien genutzt wurden, zog Pfarrer Menzer dort erst später ein. Bis das neue Pfarrzentrum 1980 gebaut wurde, herrschte dort ein aktives Pfarrleben: mit Büro, Kindergarten, Volks- und Jugendbücherei, Altennachmittagen, und den stadtbekannten Pfarrfesten. Der erste Gottesdienst der Pfarrei St. Paul unter Anton Menzer wurde an Pfingsten 1952 in der Zweigpfarrei St. Anton, im Süden der Stadt gehalten, in der Waldsiedlung, und zwar in der Halle Abele. Die Siedlung im Süden wuchs mit vielen katholischen Gläubigen heran und machte 1954 den Bau einer neuen Kirche, St. Anton, erforderlich. Menzer, der sich für den neuen Kirchenbau stark engagiert hatte, hatte dann zwei Pfarrgemeinden zu betreuen. Er pendelte mit dem Rad hin und her.Die Herausforderungen wuchsen, die seelsorgerischen und die baulichen: neben der Errichtung der Pfarrkirchen (St. Anton und später die neue St. Pauluskirche), wurden die Kindergärten (Sankt Anton 1953-1954, St. Paul 1965) errichtet, das Haus der Begegnung (1946-1967) und schließlich das Pfarrzentrum St. Paul (1981/82). Letzteres wurde als „Treffpunkt der Pfarrei unbedingt benötigt“, bekräftigte der Stadtpfarrer damals. Menzers Vikar Hansjörg Faller ab September 1965 übernahm später die Antoniuspfarrei, die nach ihm dann Pfarrer Bernhard Ripperger führte. Stadtpfarrer Anton Menzer wirkte als Bezirkspräses des KAB (katholischen Arbeitnehmerbunds) für die Dekanate Bruchsal, Bretten und Philippsburg und setzte sich in dieser Eigenschaft mit Arbeitnehmerfragen auseinander. Und er gab auch als erster Pfarrer einem Gewerkschafter die Gelegenheit, im Gottesdienst über die Sorgen der Arbeitnehmer zu sprechen. Seinen guten Draht zur Jugend, sein Interesse für deren Probleme, baute er als Religionslehrer in der Hauptschule und dann im Gymnasium auf.

„Die kritische Einstellung der jungen Generation erfordert Fachwissen und Aufgeschlossenheit“, sagte Menzer. Ideen wie Jugendgottesdienste mit aktuellen Themen sowie Messen mit musikalischer Gestaltung (erst mit dem Ensemble Neues Geistliches Lied, später Talita Kum Band von Friedhelm Ernst) setzte er in die Tat um. Die Pauluskirche war voll besetzt wie nie. Er hatte auch Mädchen als Ministranten zugelassen. Menzer baute 1971 außerdem eine Möbel- und Kleiderhilfe für Gastarbeiter und Bedürftige auf sowie das Altenwerk, das anfangs 20 Teilnehmer hatte, in den Siebzigern dann 120.

Die Bußgottesdienste in der Adventszeit waren gut besucht und zogen auch viele Besucher aus dem alten Landkreis Bruchsal in die Pauluskirche. Als er 77 Jahre alt und seine Gesundheit angeschlagen war, bat Anton Menzer den Erzbischof Oskar Saier von Freiburg, ihn aus seiner Verantwortung für die St. Paul-Pfarrei zu entpflichten. „Neben seinem gewissenhaften Mühen als Seelsorger hat er sich auch in baulicher Hinsicht um die Pfarrei verdient gemacht“, würdigte der Bischof. So trat Menzer am 1. Mai 1990 nach 50 Priesterjahren in den Ruhestand. Aufgrund von Priestermangel konnte für St. Paul kein eigener Pfarrer eingesetzt werden. Dekan Manfred Diewald von St. Peter übernahm auch St. Paul. Für St. Peter wurde noch eine Vikarstelle geschaffen. Mit Anton Menzer verabschiedete sich auch seine langjährige Haushälterin, Hedwig Förderer, „die Küchenchefin, Innenministerin und Protokollmeisterin der Pfarrei“, so wurde sie beschrieben, in den Ruhestand. Aufgrund seiner engagierten Seelsorgertägigkeit verlieh ihm 1980 der damalige OB Bernd Doll das Bundesverdienstkreuz. Seine zahlreichen Ehrungen funktionierte der Stadtpfarrer stets auch in einen Dank an seine Mitarbeiter um. „Das Heil der Seelen“, war Menzers Maxime, das heißt: „Das innere Glück bei Gott ist erstes Gesetz.“ Stadtpfarrer Anton Menzer starb nur wenige Monate nach seinem Ruhestand, am 10. Juli 1990. Sein Grab befindet sich auf dem Bruchsaler Friedhof. Sonja Zeh
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