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Und plötzlich war das Gebiss des Patienten weg

Bruchsal, 09.05.2019  
Geht eine Zahnprothese verloren, kann ein Ersatz teuer werden. Foto: jaz

Wie verhält es sich bei Diebstählen in Krankenhäusern?

Von KURIER-Redakteurin Sonja Zeh

Bruchsal. Auch Krankenhäuser sind vor Diebstählen nicht gefeit. Patientenzimmer stehen offen. Wer da ein- und ausgeht, kann kaum jemand kontrollieren. Und plötzlich kommen auch Wertgegenstände abhanden. Der Patient haftet hier für den Verlust meist selbst. Doch wie sieht es aus, wenn dem bettlägerigen Patienten, der durch einen Schlaganfall sprachunfähig ist, der künstliche Zahnersatz abhanden kommt?

So geschehen bei Hans K. beim Transport vom Pflegeheim ins Krankenhaus Bruchsal. Das Gebiss wurde mitgeliefert und dem Krankenhauspersonal übergeben. Das wird bezeugt. Doch plötzlich war es weg. Der Behälter stand noch auf dem Beistelltisch am Krankenbett, aber das Gebiss ist weg. Keiner weiß, wo es abgeblieben ist. Das sorgt bei den Angehörigen von Hans K. für reichlich Verdruss. Er habe im Krankenhaus schon x-Gespräche geführt und dort überall gesucht, berichtet der Sohn. Ohne Erfolg. Wie er vom Pflegeheim hörte, in dem sein Vater weilt, seien solche Verluste kein Einzelfall. Es komme öfters vor, dass Patienten ohne Gebisse vom Krankenhaus ins Pflegeheim zurückkommen, habe man ihm gesagt. Was den Sohn zur Rage bringt ist, dass es an den Angehörigen des Geschädigten liegt, den Diebstahl anzuzeigen und zu beweisen, dass das Gebiss im Krankenhaus abhanden kam. Also unnötige Bürokratie.

Das Thema Diebstähle beschäftigt die Krankenhäuser in unterschiedlicher Weise immer wieder, erklärt Annette Baumer, Pressereferentin der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft e.V. (BWKG) in Stuttgart auf Anfrage des KURIER.

Die Krankenhäuser setzten vermehrt Wachpersonal ein, oder – wo dies erlaubt und möglich ist – Videoüberwachung, um Diebstähle zu verhindern oder die Täter fassen zu können. Diebstähle werden sich allerdings, so heißt es von der BWKG, aufgrund der Vielzahl von Menschen in den weitläufigen Gebäudekomplexen nicht gänzlich verhindern lassen. Daher sei die Prävention besonders wichtig. Wertgegenstände können eingeschlossen werden. Das wird den Patienten empfohlen. Aber wie verhält es sich im konkreten Fall des bettlägerigen, sprachunfähigen Mannes? Eine konkrete Antwort des betroffenen Krankenhauses bleibt aus. Die Auskunft der Unternehmenskommunikation der Klinik Bruchsal liest sich sehr allgemein mit solchen Sätzen wie: „Bei Entlassung wird das verwahrte Patienteneigentum an den Patienten, Angehörige oder den Krankentransport übergeben. Bleibt Patienteneigentum liegen, wird der Patient vom internen Fundbüro informiert. Ist eine Fundsache nicht zuordenbar, werden Gegenstände drei Jahre lang verwahrt. Werden fehlende Gegenstände gemeldet, stellt das interne Fundbüro Nachforschungen bei den Prozessbeteiligten an.“ Immerhin räumt das Hospital ein, dass es nicht ausbleibt, dass Gegenstände verloren gehen und, im schlimmsten Fall, nicht mehr aufzufinden sind.

Für die Angehörigen von Hans K. liegt der Fall eindeutig: Für den Schaden muss das Krankenhaus Bruchsal aufkommen. Doch der Geschädigte muss den Anspruch geltend machen. Erst dann schaltet sich die Haftpflichtversicherung ein. „Macht der Geschädigte seine Ansprüche geltend, wird dies über eine konzernweit tätige Stelle mit dem Haftpflichtversicherer abgewickelt“, informiert Petra Dehn von der Unternehmensommunikation der Bruchsaler Fürst-Stirum-Klinik. „Eine Haftung des Krankenhauses ist denkbar, allerdings nur, wenn dem Klinikpersonal im Einzelfall Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen kann“, konkretisiert die BWKG. Annette Baumer von der BWKG rät dem Geschädigten auf jeden Fall, das Gespräch mit der Krankenhausgeschäftsführung zu suchen und den Diebstahl unbedingt bei der Polizei anzuzeigen.

Zahlen zu Diebstählen in den Baden-Württembergischen Krankenhäusern liegen der Krankenhausgesellschaft nicht vor. Ihre Anfrage hierzu habe das Landeskriminalamt bislang noch nicht beantwortet, so Baumer.
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