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Verbunden in ewiger Hassliebe

Bruchsal, 25.07.2019  
Jesus ist immer präsent: David Meyer, Hannes Höchsmann, Sina Weiß, Irmtraud Hetz und Stefan Holm (von links) spielen eine Szene in der Dorfkirche. Foto: Peter Empl/BLB

„Don Camillo und Peppone“ beim Theatersommer der Badischen Landesbühne

Bruchsal. „Großer Gott, wir loben dich“ oder „Bella ciao“? Bibel oder Kommunistisches Manifest? Prozession oder Demonstration? In einem Dorf in der italienischen Po-Ebene wird laut gesungen, gebrüllt, geprügelt und – o Schreck! – auch mal geschossen. Katholiken und Kommunisten streiten sich unaufhörlich. Dass der Priester Don Camillo eigentlich hochsozial, der proletarische Bürgermeister Peppone tatsächlich tiefreligiös ist, lässt allerdings hoffen für die „Kleine Welt“ (Mondo Piccolo) – so nannte der Zeichner und Schriftsteller Giovannino Guareschi zärtlich den Schauplatz seiner in der Nachkriegszeit entstandenen Geschichten um „Don Camillo und Peppone“.

Das Publikum vergöttert die beiden in ewiger Hassliebe Verbundenen bis heute und nahm sie auch beim Theatersommer im Bruchsaler Schlossgarten, wo die Badische Landesbühne derzeit die Dramenfassung von Gerold Theobalt spielt, herzlich auf.

Die beiden? Zu Don Camillo, den Stefan Holm als Durchtriebenen und zeitweise Zweifelnden spielt, und Peppone, den Markus Hennes als prolligen Choleriker mit empfindsamer Seele gibt, kommt eine dritte Hauptfigur: Jesus, der Herr, leibhaftig anwesend und ausgesprochen wortgewaltig. David Meyer, mit Lendenschurz, Tunika oder Sommeranzug, verleiht dem Gekreuzigten eine unwiderstehliche Mischung aus Superiorität und Selbstironie, lässt ihn angesichts der Sturheit der Dorfbewohner auch einmal schwächeln, die Dornenkrone abnehmen und entnervt auf die Kirchenbank sinken.

Regisseur Arne Retzlaff gelingen in der Ausstattung von Ines Unser, die sich auf die Farben Schwarz und Rot konzentriert, hinreißende Szenen aus der „Kleinen Welt“: Wenn sich der Großgrundbesitzer Pasotti (Hannes Höchsmann) und der verarmte Bauer Bruciata (Markus Wilharm) tränenreich versöhnen, um gleich darauf wieder heftig zu raufen. Wenn ihre Kinder Gina (Sina Weiß) und Mariolino (Martin Behlert), unsterblich ineinander verliebt, am Heiraten gehindert und entschlossen, sich in den Po zu stürzen, nur zögernd die Füße über die bereitgestellten Blecheimer heben – das Wasser ist einfach zu kalt. Wenn der tot geglaubte schwerhörige Smilzo (Tobias Karn) munter wieder aufsteht – er hat den Schuss nicht gehört. Wenn schließlich die sterbende Lehrerin Christina (Irmtraud Hetz) dem Priester und dem Bürgermeister das Versprechen abnimmt, künftig gemeinsam für das Wohl des Dorfs zu kämpfen. Ob sie sich daran halten?

Sibylle Orgeldinger

Weitere Vorstellungen in Bruchsal sind am: 25., 26., 27. und 28. Juli, jeweils um 20.30 Uhr im Schlossgarten.
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