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Zurück in der Zweitklassigkeit

Karlsruhe, 17.05.2019  
Noch im Preußenstadion wurden KSC-Kapitän David Pisot (Mitte) und seine Mitspieler von einem Großteil der rund 3 000 mitgereisten Karlsruher Fans frenetisch bejubelt. Fotos: GES/Güngör

KSC macht am vorletzten Spieltag mit dem 4:1 in Münster den Aufstieg perfekt und erspart sich einen Stresstest im Saisonfinale

Von KURIER-Redakteur Christof Bindschädel

Karlsruhe. Als Schiedsrichter Lasse Koslowski am vergangenen Samstag um 15.18 Uhr nach genau 90 Minuten das Gastspiel des Karlsruher SC beim SC Preußen Münster abpfiff, brachen im altehrwürdigen Preußenstadion sprichwörtlich die Dämme. Ein Großteil der mitgereisten Fans der Blau-Weißen stürmte das Spielfeld, um ihre Helden zu feiern. Schließlich machte der badische Fußball-Drittligist durch den insgesamt verdienten 4:1(2:0)-Erfolg in Westfalen – es war der 20. Dreier im 37. Saisonspiel – am vorletzten Spieltag den Aufstieg und damit die angestrebte Rückkehr in die Zweitklassigkeit perfekt. „Es war ein hartes Stück Arbeit. Aber was die Mannschaft geleistet hat ist einfach überragend – genau wie die Unterstützung unserer Fans hier, die ja auch schon in den Spielen davor immer da war“, erklärte Aufstiegstrainer Alois Schwartz und gab mit Blick auf die folgende Sause augenzwinkernd zu Protokoll: „Es ist zwar noch nichts geplant, aber heute kann alles passieren.“

Präsident Ingo Wellenreuther hatte indes auch in der Stunde des Triumphes den Blick für das große Ganze: „Das ist ein ganz wichtiger Tag für den Verein, denn wir sind nach zwei harten Jahren in Liga drei jetzt wieder in einer Liga, in der man finanziell überleben kann. Wir werden jetzt dafür belohnt, dass wir alles angehalten haben, was auf uns eingeprasselt ist.“ Wie es sich für einen frisch gebackenen Aufsteiger gehört, ließen sich Schwartz und seine Spieler um Kapitän David Pisot zunächst im Stadion auf der Tribüne von ihren Anhängern feiern, dann wurde die Umkleidekabine kurzerhand in einen Partybunker umfunktioniert, ehe es mit dem Bus auf eine mehrstündige Partytour durch die Republik zurück ins Badische ging.

„Das ist einfach überragend, ich kann das noch gar nicht richtig glauben. Es war ein langer Weg mit vielen Aufs und Abs, aber wir haben unser Ding durchgezogen. Heute lassen wir es krachen“, kündigte Daniel Gordon an. „Ich bin extrem stolz, dafür haben wir uns ein Jahr lang den Arsch aufgerissen. Ich habe nie daran gezweifelt, dass wir es schaffen“, ergänzte Pisot, der zusammen mit seinen Teamkollegen gegen 22.30 Uhr im Wildpark eintraf und dort von rund 2 000 Fans nochmals begeistert empfangen wurde. Später zogen die Aufsteiger weiter in die Innenstadt, wo zumindest einige Kicker bis in die Morgenstunden ihren Erfolg in vollen Zügen genossen.

Coach Schwartz bat seine Schützlinge erst am Mittwoch wieder zum Training, auch am Donnerstag sowie am Freitag stand jeweils nur eine Übungseinheit auf dem Plan. „Wir sind jetzt einfach froh, dass wir den Aufstieg geschafft haben. Wir wollen jetzt einfach mit unseren Fans feiern, denn auch die haben diesen Aufstieg verdient“, erklärte der Übungsleiter, der beim Saisonfinale an diesem Samstag um 13.30 Uhr zuhause gegen den Halleschen FC eventuell dem ein oder anderen Spieler eine Einsatzchance gibt, der bislang nicht allzu oft zum Zug gekommen ist.

Nachdem sich der SV Wehen Wiesbaden durch einen 1:0-Heimsieg über Meister VfL Osnabrück vorzeitig die Teilnahme an der Aufstiegsrelegation gesichert hat, geht es für beide Teams sportlich um nichts mehr. Wie seine Spieler und alle rund um den KSC ist auch Schwartz froh, dass den Blau-Weißen durch den Sieg in Münster zum Rundenkehraus ein Stresstest gegen den Tabellenvierten erspart geblieben ist, dennoch versichert der Coach: „Wir wollen natürlich schon eine Leistung abliefern, die uns würdig ist.“ Ob Schwartz dabei auf die angeschlagenen Manuel Stiefler und Alexander Groiß zurückgreifen kann, ist fraglich. „Wir werden hier ganz bestimmt kein Risiko eingehen“, betonte Schwartz.

Die Münsteraner legten vom Anpfiff weg eine rustikale Gangart an den Tag und machten so deutlich, dass sie keineswegs gewillt waren, Spalier für ihre Gäste auf deren Weg in Richtung Liga zwei stehen zu wollen. Doch die Badener hielten dagegen und erwiesen sich einmal mehr als Meister der Effektivität, schließlich gingen sie mit ihrer zweiten Offensivaktion in Führung. Nach Zuspiel von Anton Fink setzte sich Toptorjäger Marvin Pourié energisch durch und vollstreckte in der 32. Minute eiskalt – es war der 22. Saisontreffer des Angreifers, der damit einer der Garanten des Karlsruher Aufstiegs ist. „Das war der Dosenöffner. Überhaupt haben wir die Tore jeweils zum richtigen Zeitpunkt gemacht“, meinte Sportchef Oliver Kreuzer.

Sekunden vor dem Pausenpfiff köpfte Damian Roßbach nach einer von Marvin Wanitzek punktgenau servierten Ecke zum 2:0 ein, mit dem 3:0 (55.) stellte Drittliga-Rekordschütze Fink nach Vorarbeit von Wanitzek die Weichen endgültig auf Aufstieg. Und nicht einmal 180 Sekunden später legte Martin Röser, der für den verletzten Manuel Stiefler in die Startelf gerückt war, mit seinem ersten Saisontor das 4:0 nach. Im Gefühl des sicheren Sieges und in Vorfreude auf die folgende Party gestatteten die Karlsruher den Münsteranern noch einen Ehrentreffer (66.) durch Martin Kobylanski. „Beim 3:0 war mir klar, dass wir uns das nicht mehr nehmen lassen“, sagte Schwartz, während Marco Thiede, der nach einem Zusammenprall mit Sandrino Braun einen Cut über dem linken Auge davontrug, dem Braten erst nach dem vierten Treffer traute. „Ab diesem Moment wusste ich – jetzt haben wir es. Wir haben noch einmal den puren Willen gezeigt“, erklärte der Rechtsverteidiger, der sich später als Friseur versuchte und Roßbach die Haare abrasierte. Dass beim Platzsturm der KSC-Fans unter anderem LED-Werbebanden, Zäune und die Trainerbänke kaputt gingen und so ein Schaden von angeblich rund 100 000 Euro entstand, blieb an diesem blau-weißen Freudentag eine Randnotiz.

Ein ähnliches Szenario soll nach dem Halle-Spiel unbedingt vermieden werden, damit der Rasen im Stadion nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Schließlich findet am Sonntag, 26. Mai, um 14 Uhr im Wildpark noch das badische Pokalfinale statt, wo der KSC mit einem Erfolg im Traditionsduell mit dem SV Waldhof Mannheim die Saison 2018/2019 krönen will. Die Karlsruher Aufstiegsfeier soll zeitnah nach dem Schlusspfiff der Partie gegen den HFC auf dem Stadiongelände stattfinden.

Die voraussichtliche KSC-Aufstellung gegen Halle: Uphoff – Thiede, Gordon, Pisot, Roßbach – Wanitzek, Groiß (Hanek), Camoglu (Sané), Röser – Pourié, Fink.
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